Die erfolgreichste „Anti-Marketing”-Kampagne der Welt?

Im Juli 2009 gab die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC), eine zur Weltgesundheitsorganisation (WHO) gehörende Agentur, im Medizinjournal The Lancet Oncology und in Pressemitteilungen die „brandaktuellen Nachrichten" bekannt, dass die Verwendung von Bräunungsgeräten der Gruppe 1, die UV-Licht ausstrahlen, als „beim Menschen Krebs erregend" eingestuft werden.
Diese Ankündigung rief in vielen Zeitungen, Magazinen, Zeitschriften und TV-Sendern auf der ganzen Welt erneut eine Flut an Artikeln und Berichten hervor. Viele dieser Artikel und Berichte gingen weit über die Originalquelle hinaus, im Eifer der Reporter, aus diesen „Nachrichten" eine „Sensation" zu machen. Keiner der Reporter scheint sich die Mühe gemacht zu haben, über die Pressemitteilung hinaus zu recherchieren, doch wenn sie es getan hätten, wären sie auf die folgenden Fakten gestoßen:

Erstens - Die Entscheidung beruht auf keinen neuen Forschungen, sondern auf einer aus dem Juli 2006 stammenden Zusammenfassung von Forschungen, die zwischen 1990 und Anfang 2000 durchgeführt wurden. Bei einem genaueren Blick auf die Vorgehensweise dieser Zusammenfassung (ein guter Ausgangspunkt ist diese Seite: http://www.iarc.fr/en/media-centre/iarcnews/2009/sunbeds_uvradiation.php)  wird offenkundig, dass sie mehr oder weniger wie eine Internetsuche in wissenschaftlichen Veröffentlichungen ausgeführt wurde, und zwar unter Verwendung von Haupt-Suchwörtern wie „künstliches UV-Licht” • „Sonnenbank” • „Melanom” • „Hautkrebs”.  Daher ist es keine Überraschung, dass die „Zusammenfassung" mit vielen „Beweisen" für einen starken Zusammenhang zwischen diesen Suchwörtern aufwartete. Es ist fast wie eine Suche mit den hauptsächlichen Wörtern „Wasser" und „Ertrinken", die wahrscheinlich einen sehr starken Zusammenhang und Beweise erbringen würde, dass Wasser tatsächlich die Hauptursache des Ertrinkens ist und aus der die Schlussfolgerung gezogen wird, dass der öffentliche Zugang zu Schwimmbecken daher eingeschränkt werden sollte.
Zweitens - alle Forschungen, die über positive Auswirkungen von UV-Licht berichten (von denen es viele gibt, und fast jede Woche kommen neue hinzu) wurden bei der Zusammenfassung ausgelassen.
Drittens - „Sonnenstrahlung" gehört seit Langem zur Gruppe 1 der Krebserreger. Wie auch Alkohol und viele andere „gewöhnliche" Substanzen wie beispielsweise Senfgas. Da die UV-Strahlung der Sonne (zumindest der Teil, der die Erde erreicht) und die Emissionen der Lampen von Sonnenbänken so gut wie dasselbe sind, sollte die UV-Strahlung von Sonnenbänken logischerweise derselben Gruppe angehören. Vor diesem Hintergrund erscheinen die nahezu fanatischen Angriffe auf Sonnenbänke allein (gepaart mit marktschreierischer Werbung für Sonnenschutz- und Selbstbräuner-Lotionen) etwas aus dem Zusammenhang gegriffen, besonders, da es keinen wirklichen Beweis gibt, um solche Angriffe zu untermauern.

Adele Green

Prof. Adèle Green


Viertens - Die Vorsitzende der Internationalen Agentur zur Krebsforschung in der Arbeitsgruppe zu künstlichem ultraviolettem (UV) Licht und Hautkrebs war zur Zeit als die Zusammenfassung erstellt wurde, Prof. Adèle Green aus Australien, die von L’Oreal gesponsert wird, dem weltweit größten Produktanbieter von Sonnenschutzlotionen und Selbstbräunern. (Siehe Quellennachweis unten und hier: .
Dies erklärt auch die intensive und teure Öffentlichkeitsarbeit über die „Nachrichten", dass Sonnenbänke der Gruppe 1 höher gestuft wurden und die eindringliche Empfehlung, Sonnenschutz- und Selbstbräunungsprodukte zu verwenden. Nicht einmal Tabak, der offensichtlich keinerlei gesundheitliche Vorteile hat, wurde in der Öffentlichkeit derart schlecht dargestellt, da in diesem Fall die Interessen der großen Konzerne auf der Seite der Raucher liegen.
Fünftens - Die Empfehlungen der WHO aus dem Jahr 2005 wurden nicht geändert (was natürlich ist, da in diesem Fall keine neuen „Beweise" vorgelegt wurden).
Auf alle Fälle mildert keiner der obigen Fakten den äußerst negativen Einfluss der neuesten PR-Kampagne gegen Sonnenstudios. Die Ärzte und Wissenschaftler, die einen stichhaltigen Beweis gefunden haben, dass UV-Licht nicht nur gesund, sondern auch notwendig ist, haben keine reichen Firmen, die ihre PR sponsern können, wodurch sich die Debatte sehr einseitig gestaltet.
Die Regierungsorganisationen der meisten Länder haben sich einfach und maßgeblich von den Empfehlungen der WHO und den Medienberichten beeinflussen lassen, doch bisher keinerlei Tendenzen gezeigt, die neuesten Erkenntnisse über die Vorteile von UV-Licht in Betracht zu ziehen. (Wenn werden wir beispielsweise Empfehlungen für regelmäßige Bluttests zum Messen des Vitamin-D-Spiegels sehen? Den Vitamin-D-Spiegel im Auge zu behalten ist wahrscheinlich wichtiger als den Cholesterinspiegel zu überwachen.)
Die Vertreter der Bräunungsindustrie und Sie, liebe Solariumgänger, müssen jede Gelegenheit nutzen, die Vertreter der Massenmedien zu drängen, Verantwortung zu zeigen und nicht blind über eine einsichtige Sicht dieser Thematik zu berichten. Es gibt zu viele Berichte über die Notwendigkeit des UV-Lichts für die meisten Funktionen des menschlichen Körpers, als dass diese Fakten einfach ignoriert werden könnten. In den Breitengraden Nordeuropas (nördlich des Breitengrades, der durch Paris verläuft), können die Menschen die meiste Zeit des Jahres über einfach nicht genug Vitamin D aus der natürlichen Sonneneinstrahlung gewinnen. Aufgrund der reichhaltigen Beweise, dass die einzige relevante und sichere Vitamin-D-Quelle aus UV-Licht stammt, ist die anhaltende Kampagne gegen Sonnenstudios sehr kontraproduktiv für die Gesundheit der Allgemeinheit.
Wir werden ein viel besseres Ergebnis und mehr Ausgewogenheit erzielen, wenn wir alle zusammenarbeiten und dafür werben, dass gemäßigte, verantwortungsbewusste und kontrollierte (von Experten, nicht von Regierungsbeschlüssen) Besuche im Sonnenstudio gut und nicht schlecht sind.

REF.: Point: Sunscreen Use Is a Safe and Effective Approach to Skin Cancer Prevention
Cancer Epidemiol Biomarkers Prev 2007;16(10):1921 – 2; Received 5/25/07; accepted 6/28/07.
Conflict of Interest: Adele C. Green currently receives funds from L’Oreal to run a
research project and has research staff paid for by that company. She is also the
co-author of several papers referred to in this article.
Requests for reprints: Adele C. Green, Queensland Institute of Medical Research,
Royal Brisbane Hospital Post Office, Brisbane, 4029, Queensland, Australia.
Phone: 61-7-3362-0234; Fax: 011-61-7-3845-3503. E-mail: adeleG@qimr.edu.au
Copyright D 2007 American Association for Cancer Research.
doi:10.1158/1055-9965.EPI-07-0477

Monograph Working Group
Members
B Armstrong—Co-Chair (Australia), E Cardis—Co-Chair (Spain); A Green (Australia); D Krewski, R Mitchel, N Priest (Canada); L Tomašek (Czech Republic); K Baverstock (Finland); J-F Doré, J Hall, L Sabatier (France); M Sokolnikov (Russian Federation); M Hill, M Little, M Marshall, C Muirhead, A Riddell (UK); D Brenner [unable to attend], R Guilmette, D Hoel, D Richardson, R Ullrich (USA)
Conflicts of interest
NP works for, and RM is a consultant to, Atomic Energy of Canada Ltd. CM receives funding from the UK Ministry of Defence. JH receives funding from Electricité de France. AG receives funding from L’Oreal Recherche.
Invited Specialists
None

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